Sonntag, 24. Januar 2010

Uda aydu???

„Uda aydu“ oder schlichtweg „Had your food?“
Dies ist Frage Nummer 2, die man hier in Indien immer und ueberall gestellt bekommt, nachdem man nach seiner Familie gefragt wurde.
In so einem Fall am besten immer mit einem laut stoehnenden „Yes...fulllllllllllllllll“ antworten, um besorgte, mitleidige Blicke abzuwehren und um zu verhindern, dass man gleich zum naechsten „Hotel“ (= einfaches Restaurant) geschleppt wird.
Doch wollen wir das indische Essen jetzt keinesfalls ins schlechte Licht ruecken. Ganz im Gegenteil, wir sind beide ganz vernarrt auf Idli, Dosa, Samba, Bagi, Chapati und alles was die indische Kueche sonst noch so hergibt.

Wir geben euch am besten einmal einen kurzen Ueberblick ueber einen „Essenstag“ in Indien:
„Morgenstund hat Gold im Mund“, dies trifft auch auf das Essen hier in Indien zu. Das Fruehstueck ist naemlich mit Abstand unser Lieblingsessen hier. Jeden Morgen zaubert uns unsere Lincy eine neue Leckerei, sodass uns das Fruehstueck hier vorkommt wie eine grosse, bunte Wundertuete. Allerdings muss man sich hier schnell von Muesli, Nutella, Marmeladenbroetchen und Brot verabschieden, in Indien isst man naemlich schon fruehs warm und deftig. Es war fuer uns am Anfang schon ein wenig eine Herausforderung schon fruehs als Beilage ein warmes, scharfes Curry zu essen, doch mittlerweile wollen wir es schon nicht mehr missen... Reis ist die Grundlage der meisten Fruehstuecksgerichte und so wird er in verschiedenster Konsistenz und Form gebacken (Dosa), geduenstet (Idli), mit Kokosnuss vermischt und zu Kugeln geformt (Kadambud) oder zu dicken Reispfannkuchen gebraten (Appam).
Das Fruehstueck praesentiert sich in Indien mit einer enormen Vielfalt, sodass sich die Inder schon einige Male ueber unser langweiliges deutsches Fruehstueck amuesiert haben. Allerdings koennen wir damit kontern, dass bei uns dafuer das Mittag- bzw. Abendessen sehr abwechslungsreich ist, denn dieses besteht hier tagtaeglich aus Reis, Reis und nochmal Reis.
Man koennte jetzt meinen, uns kommt nach fast 5 Monaten der Reis zu den Ohren raus, aber das ist definitiv nicht der Fall. Lincy schafft es naemlich immer wieder uns mit neuen Curry- und Sambavariatonen zu ueberraschen. Und falls einem das Curry wirklich einmal nicht schmecken sollte, kann man sich immer noch an den bunten Bagis (eine Art Gemuesepfanne) und Salaten sattessen, die zu jedem Essen gereicht werden.



Das indische Essen ist wirklich ein Erlebnis, bei dem uns immer wieder Neues auffaellt, wundert und ueberrascht:

- In fast jedem suedindischen Essen befindet sich irgendwie und irgendwo eine Kokosnuss, man muss nur lange genug danach suchen...
- Ein Inder kann sich hinter dem Reisberg auf seinem Teller verstecken! Jedoch taucht er dann schnell wieder auf, als man denkt (dank der deutlich schnelleren Essgeschwindigkeit)!
- „Eat more, think less“ war ein Ratschlag eines indischen Freundes.
- Alles ist irgendwie „Good for health“...
- Indische Frauen haben die Methoden einem Gast Essen auf den Teller zu schmuggeln bis zur Perfektion ausgereift. Schaut man nur kurz weg, landet eine volle Ladung Reis auf dem Teller und der Gastgeber grinst frech und erfreut zugleich. Doch auch die volle Konzentration auf seinen Teller bringt nichts, wenn die Gastgeberin mit einem Dackelblick und Nachschub vor einem stehen... Da hilft nur Augen zu und durch!

Da der CFI-Staff die letzten Tage auf Betriebsausflug war und wir deswegen fruehs keinen Englischunterricht geben konnten, haben wir die Chance und die freie Zeit genutzt, um bei unserer indischen „Koechin“ Lincy in die Lehre zu gehen. So haben wir jetzt schon einige Rezepte gesammelt und sind nun dabei ein kleines indisches Kochbuch zu erstellen.
Um euch auch einmal auf den Geschmack Indiens zu bringen, wollen wir euch heute einmal das Rezept unseres Lieblingsessens verraten:

Dal, Gurkenbagi und Kokosnuss-Chutney



Dal
2 Tomaten
1 Zwiebel
3 gruene Chilli
250g gelbe Linsen
1 TL Kurkuma
1 TL Kuemmel
2 TL Salz
Etwas Tamarindenmus
Einige frische Curryblaetter
300 ml Wasser
5 Knoblauchzehen
1 TL schwarze Sesamsamen
etwas Maggi
ein Bund frischen Koriander

Die Tomaten, Zwiebeln und den Chilli klein schneiden, mit den anderen Zutaten vermischen und kochen (im Schnellkochtopf 20 min, im normalen Topf entsprechend laenger). Parallel dazu ca. 5 Knoblauchzehen zerhacken und mit 1 TL schwarzen Sesamsamen und wenig Zwiebelnstuecken in heissen Fett frittieren, bis die Sesamsamen aufplatzen. Anschliessend alles vermischen, die gehackten Korianderblaetter hinzufuegen und nach belieben mit etwas Maggi und zusaetzlichem Salz abschmecken.

Bagi
700g kleine Guerkchen oder auch Zuchini
½ Kokosnus
1 Zwiebel
1 gruene Chilli
1 TL Kurkuma
Einige frische Curryblaetter
1 TL Salz
1 TL Senfsamen

Die kleinen Guerkchen in Scheiben schneiden, die Zwiebel und die Chilli in Stuecke hacken und die Kokosnuss aushoelen. Alles mit dem Kurkuma, den Blaettern und dem Salz vermengen. Nun noch die Senfsamen in Fett frittieren, bis sie aufplatzen und sie untermengen.Anschliessend die gesamten Zutaten (am besten in einem Wok) bei ein wenig Fett und Wasser ca. 15 min anbraten bzw. duensten.

Kokosnuss-Chutney
½ Kokosnuss
½ Zwiebel
1 cm Ingwer
½ TL Salz
1 TL gemalene Chilli
4 EL Wasser
1 TL Senfsamen
2 EL Wasser

Die Kokosnuss aushoelen, die Zwiebel klein schneiden und das Chilligewuerz kurz in der Pfanne anroesten. Nun alles zusammen in einem Mixer puerieren. Anschliessend noch einige restliche sehr kleine Stuecke Zwiebeln zusammen mit den Senfkoernen (am besten in Kokosnussoel) frittieren und mit ca. 2 EL Wasser unter das fertige Chutney mengen.


Viel Spass beim Nachkochen, Indien geniessen und uns anschliessend verraten, wie es denn geschmeckt hat!!!

Montag, 18. Januar 2010

We are family!!!

“How is your family?”
So lautet jeden Morgen die erste Frage, die man sich hier bei uns in Indien stellt, nachdem man sich einen Guten Morgen gewuenscht hat.
Das Familienleben nimmt hier einen unheimlichen hohen Stellenwert ein. Viele leben in sogennanten „Joint Families“ mit Grosseltern, Kindern und unverheirateten Geschwistern unter einem Dach.
Doch warum ist das so? Warum ist das Familienleben in Indien so wichtig und das Gemeinschaftsgefuehl so gross? Unseren Erfahrungen und Beobachtungen zufolge liegen die Gruende hierfuer sicherlich zumindest teilweise in der indischen Mentalitaet: Wir erleben die Inder als Menschen, die am liebsten in grosser Gesellschaft, aber sehr ungern alleine sind.
Zusaetzlich hat der hohe Stellenwert der Familie aber definitiv auch pragmatische Gruende. So dient in vielen Faellen die Familie als eine Art Lebensversicherung. Da die Meisten hier keine Kranken-, Renten-, oder Pflegeversicherung haben, springt dafuer die Familie in solchen Faellen als Stuetze ein. Die Kinder versorgen ihre Eltern im Alter, pflegen sie bei Krankheit...

Wir haben fast das Gefuehl als sei ganz Indien eine Familie und wir jetzt schon ein Teil davon.
So waren wir am Anfang wirklich verwirrt, weil sich hier jeder „uncle“, „aunty“ oder „brother“ nennt und wir nicht wussten, wer jetzt wirklich, in welchem Grade und ob ueberhaupt miteinander verwandt ist.
Mittlerweile geniessen wir es aber in vollen Zuegen die Lehrerin des Asha Kiran Hostels „Sister“ zu nennen, von mehreren indischen Mamas adoptiert worden zu sein, die „Aunty“ der Enkeltochter des CFI-Projektmanagers zu sein und unseren Nachbarn „Uncle“ zu rufen.

Um euch einen kleinen Einblick in die indische Familienwelt zu geben, wollen wir euch einige Anekdoten erzaehlen, die wir in der letzen Zeit erleben durften.

1. Eine Adoption im Zug

Als wir auf dem Heimweg von unseren Goa-Weihnachtsferien, zusammen mit Anni und Lucia, durch den voellig ueberfuellten Zug irrten, trafen wir auf eine 20-koepfige Grossfamilie aus Udupi.
Wir muessen wohl ziemlich verloren ausgesehen haben, denn die Familie sprang sofort auf, um uns ihren Platz anzubieten und sich selbst zu stapeln.
Erleichtert nahmen wir das Angebot an und schneller als wir gucken konnten, waren wir schon in die Familienverhaeltnisse eingeweiht und kannten alle Mitglieder (zumindest theoretisch) beim Namen.
Nachdem wir mit Suessigkeiten versorgt wurden, aus der Hand gelesen bekamen und herzlichst nach Udupi eingeladen wurden, eroeffnete uns der Vater mit einem breiten Grinsen, dass seine Familie am heutigen Tag um vier Personen gewachsen sei ...



2. Didi! Didi!
Als wir in Deutschland erfuhren, dass wir im Buero unseres Projektes untergebracht werden sollen, hatten wir erst ziemliche Bedenken, ob wir nicht recht einsam werden wuerden.
Doch schon direkt nach unsere Ankunft wurde unsere Angst widerlegt: Unter uns und somit mit uns wohnt naemlich unsere Maaji Fatima mit ihren goldigen Enkelkindern.


Schon vom ersten Moment an begegneten sie uns mit solch einer Offenheit und Vertrautheit, sodass es auch nur wenige Wochen dauerte, bis die Kids uns nur noch Corinna-Didi und Theresa-Didi nannten, was auf Hindi soviel wie grosse Schwester bedeutet.
Jeden Abend kommen die Kinder zu uns nach oben, um mit uns Uno zu spielen, Hausaufgaben zu machen, zu basteln oder einfach Zeit mit uns zu verbringen. Wir haetten nie gedacht, dass man nach so kurzer Zeit und sogar teilweise ohne gemeinsame Sprache solch eine enge und intensive Beziehung aufbauen kann. Wir sind unheimlich dankbar dafuer, dass wir einfach zu ihnen nach unten gehen koennen wenn es uns einmal nicht so gut geht und sie uns durch ihre liebevolle und froehliche Art aufbauen.
Das gleiche ist natuerlich auch anders herum der Fall und so sind wir in den letzten Monaten gemeinsam schon durch dick und duenn gegangen ...



3. Unser „family stay“ in Kerala
„Just ask sir, just ask sir“ forderte uns Lincy – fuer uns die beste Koechin Indiens – ganz aufgeregt auf, als sie uns von der Einladung zu der bevorstehenden Hochzeit ihres Cousin-brothers aus Kerala erzaehlte.
Wir waren sofort hin und weg von der Idee Lincys Familie zu der Hochzeit nach Kerala zu begleiten und dabei ihren „Native Place“ (Heimatort) wie auch ihre Familie kennenzulernen.
Dank der Unkompliziertheit unseres Projektleiters hiess es dann letzte Woche fuer uns „Auf nach Kerala!!!“
Fuer uns war es eine einmalige und sehr wertvolle Erfahrung einmal laenger direkt mit einer typisch indischen Grossfamilie zu leben, mit ihnen fruehs aufzustehen, schlafen zu gehen, zu kochen, zu essen, im Fluss uns und unsere Waesche zu waschen...Vom ersten Moment an fuehlten wir uns voll integriert und pudelwohl.


Natuerlich liess es sich unsere Lincy auch nicht nehmen uns ihre gesamten Verwandten und Freunde vorzustellen und so zogen wir von Haus zu Haus und wurden ueberall mit indischen Chai, exotischen Fruechten aus dem Garten (Papaya, Guave, Kokusnuss...) und anderen Leckereien empfangen.


Auch die Hochzeit selbst war fuer uns ein wirklich schones Erlebnis; mit Sari, indischen Schmuck und inmitten unserer indischen Familie fuehlten wir uns gar nicht mehr als „Foreigners“, sondern vielmehr als Familienmitglieder.


Der Abschied vom entspannten Kerala und der so liebenswuerdigen und zuckersuessen Familie fiel uns somit dann auch ziemlich schwer, besonders als Lincys Mama uns an die Haende nahm und uns sagte, wir sollen doch einfach hier bleiben...



Doch auch wenn wir hier in Indien in so vielen Familien so liebevoll aufgenommen bzw. umsorgt werden und auch wenn uns diese Familie so viel geben und wir unheimlich froh und dankbar sind, sie zu haben, merken wir hier in Indien auch tagtaeglich wie wichtig uns unsere Familie in Deutschland ist, was wir an ihnen haben und wie sehr wir sie vermissen...

Montag, 11. Januar 2010

Lust auf eine Riksha-Fahrt?

Alles beginnt mit einer kleinen Handbewegung am Strassenrand. Am besten streckt man bei Hupgeraeusch von hinten ganz unauffaellig (um moeglichst laessig zu wirken) den rechten Arm aus und wartet bis ein meist voellig ueberfuelltes, dreiraedriges, schwarz-gelbes Fahrzeug neben einem anhaelt: Eine Autoriksha!
Nun nur noch schnell beim Einsteigen beilaeufig fallen lassen, wo man eigentlich hin will und los geht der Spass! Mit roehrendem Geraeusch schlaengelt sich die Riksha durch die chaotischen Strassen Karwars, ueberholt laut hupend einen Krishna-Lorry, weicht einer Kuhherde mitten auf der Strasse aus und faehrt sie dabei fast an. Der Fahrtwind ist uns bei gefuehlten 40 Grad eine willkommene Abkuehlung. Nur fuer unsere Bandscheiben ist eine solche Fahrt vielleicht nicht das gesuendeste, da unser Rikshafahrer heute mal wieder wirklich jedes Schlagloch mitnimmt.
Sechs Personen zaehlen wir heute in der Riksha. Ein Mann sitzt vorne beim Fahrer, und wir zwei relativ bequem hinten auf der Rueckbank. Doch nun haelt die Riksha wieder am Strassenrand an und zwei Frauen in bunten Saris quetschen sich zu uns in die Riksha. Der Fahrer gibt uns ein Zeichen, dass wir zusammenruecken sollen. Aber egal wie duenn wir uns machen, zu viert passen wir einfach nicht nebeneinander auf die Rueckbank und so entscheiden wir uns mal wieder spontan fuer die „Sandwich-Technik“. Ja, man lernt hier sehr schnell wie man sich bestmoeglichst „stapelt“.
Unser absoluter Rekord im Riksha-fahren liegt bei ganzen 11 Personen in einer Riksha (wobei einige Mitfahrer dabei auch halbe Portionen waren;-)).



Heute fragen wir uns mal wieder, wie denn der Fahrer ueberhaupt durch seine Scheibe gucken dann, die dreiviertels mit irgendwelchen Goetterstatuen, blinkenden Anhaengern und Girlanden vollgehaengt ist. Fragen koennen wir ihn das aber leider nicht, da er (wie eigentlich alle Rikshafahrer) kein Englisch spricht und wir dem Kannada leider auch noch nicht wirklich maechtig sind.



Nach einer siebenminuetigen Huckelfahrt kommen wir in Karwar an, druecken dem laechelnden Fahrer noch schnell die 16 Rupie (ca. 20 Cent) fuer die Fahrt in die Haende und denken uns einmal wieder: “Was machen wir in Deutschland bloss ohne Rikshas?“.

Freitag, 1. Januar 2010

Silvester einmal anders....

Schon wieder ist ein Jahr vorbei! Und 2009 war definitiv das erlebnisreichste und aufregenste Jahr, das wir bisher erlebt haben. Erst das Abitur, dann unser Start ins Abenteuer Freiwilligendienst in Indien. Da musste das Jahr natuerlich gebuehrend verabschiedet werden und so freuten wir uns ungemein, als die Kinder und Lehererin des Asha Kiran Hostels uns zu einer Uebernachtungsparty an Silvester einluden.
Zuvor wollten wir jedoch ein wenig deutsche Tradition aufleben lassen, indem wir mit den Mitarbeitern anhand von Bleigiessen einen Blick in die Zukunft warfen. Wir allen hatten einen riesen Spass und erfuhren dabei unter anderem, dass im kommenden Jahr die Familie unseres Mentors Ganesh wohl ein bisschen groesser werden wird, was ihn nicht sonderlich zu begeistern schien.



Am fruehen Abend machten wir uns dann auf den Weg ins Hostel, wo wir schon von weitem mit schallender Hindi-Musik empfangen wurden. Asha, die Lehrein des Hostels, hatte extra eine Musikanlage besorgt und praesentierte sie uns stolz. Ihr muesst wissen, dass Musik und tanzen in Indien mehr als eine Unterhaltung bzw. Bewegung zur Musik, sondern viel mehr eine Leidenschaft ist.
So stand also unserer typisch indischen Fete nichts mehr im Wege...
Wir tanzten mit unseren Kids was das Zeug haelt und lernten einige schoene indische Moves von ihnen.



Waehrend die Maedels drinnen die Hueften kreisen liessen, bastelten die Jungs auf der Wiese vorm Haus einen „Old Man“ aus Stroh, Kleidungsstuecken, Eimer und Stoecken. Dieser wird tradtionell um Mitternacht verbrannt und symbolisiert das vergangene Jahr. Wie so vieles in Indien soll das auch Glueck bringen.



Der lichterloh brennende „Old Man“ weckte dann auch die vom Tanzen erschoepften Kinder wieder auf und so hiess es lautstark „HAPPY NEW YEAR“!!!

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Das mussten wir dann auch gleich an unsere Lieben zuhause weitergeben, obwohl deren neues Jahr erst 4,5 Stunden spaeter anfing.
Der Rest der Nacht verlief relativ hart auf dem Boden des Hostels, wo wir zusammen mit den Kindern schliefen. Selbst einen Tag spaeter fragen wir uns immernoch, welche Schlafposition die am wenigsten schmerzhafte ist. Wir sind offen fuer jegliche Vorschlaege...



Fuer uns war es sehr schoen einmal fernab von jeglichen Zeitdruck mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu koennen und wir konnten foermlich fuehlen, wie das Vertrauen der Kinder zu uns „Foreigners“ wuchs.
So hoffen wir, ihr habt das neue Jahr genau so bunt und lustig begangen wie wir und wuenschen euch allen nun auch ein frohes neues Jahr voller Ueberraschungen, interessanter Begegnungen und guter Gesundheit.

Take care

Montag, 28. Dezember 2009

Place?!

“Where are you from“ oder schlichtweg „Place?“, so lautet meist die erste Frage, die man egal ob in der Riksha, beim Einkaufen, Fahrradfahren oder bei den Field visits gestellt bekommt. Wenn man dann antwortet, man komme aus Deutschland, erlebt man die unterschiedlichsten Reaktionen. Viele kennen dieses Land gar nicht, andere sind fasziniert und stottern nur noch ein lautes „Wow“. Nachdem die anfaengliche Schuechternheit dann ueberwunden ist, prasseln meist Unmengen an Fragen auf uns nieder, wobei man ehrlich zugeben muss, dass Diskretion oder Privatsphaere fuer Inder eher ein Fremdwort ist. Fragen, wie viel wohl unsere Eltern verdienen, was sie arbeiten, welche Religion wir haben, ob wir Indien und das Essen hier moegen, warum wir so weisse Haut haben und was diese komischen roten Flecken (= Pickel) auf unserer Haut bedeuten sind an der Tagesordnung.
Die Menschen begegnen uns hier mit einem unglaublichem Interesse und einer Neugier, die es uns leicht macht mit ihnen in ein Gespraech zu kommen (ob mit Haenden und Fuessen, einigen Brocken Hindi, Kannada oder Malayalam und wenn wir grosses Glueck haben auch mit Englisch).
Unser Aussehen als westliche Frauen sorgt auch immer wieder fuer Unterhaltung und so wurde ich von Kindern z.B. schon lauthals wegen meiner weissen Haare ausgelacht, die doch hier in Indien nur alte Omas haben.
Immer wieder jedoch, sind wir auch geschockt von dem Bild, dass Inder hier von Westlern (= foreigners) haben. Viele der Menschen glauben, dass wir aus dem Westen alle die Taschen voller Geld haben und dieses auch gut und gerne um uns schmeissen. So wurde ich, als ich ein Bild von der Wuerzburger Residenz zeigte, doch tatsaechlich gefraft, ob ich in diesem Schloss wohne.
Dieses Image wird wohl vor allem durch die zahlreichen Bollywoodfilme vermittelt, in denen fast immer nur Weisse (und niemals Inder!!) halbnackt tanzen, rauchen oder trinken . Woher sollen Inder dann auch ein anderes Bild von Westlern haben? Man koennte jetzt vielleicht meinen, dass einem die Inder und Inderinnen deshalb abwertend begegnen, was aber definitiv nicht der Fall ist.
Ganz im Gegenteil sehen viele der Menschen hier Deutschland fast als eine Art Paradies an; als eine Moeglichkeit dem teilweise sehr harten Leben in Indien zu entkommen. So wurden wir von Fatima, der guten Seele des Bueros und gleichzeitig auch unsere Ersatzmama, ernsthaft gefragt, ob wir nicht ihre aelteste Tochter Lubna mit nach Deutschland nehmen koennen. Bei solchen Erlebnissen wird einem immer wieder sehr klar, wie gluecklich wir uns doch schaetzen koennen und auch sollten, in einem Land wie Deutschland leben zu duerfen, in dem jeder genug zu essen, eine gute Bildung und Chancen auf ein guten Job hat.
Aufgrund des grossen Unwissens der Menschen hier ueber Deutschland, sehen wir es auch als unsere Aufgabe die Menschen ueber unser Leben, unsere Kultur und Mentatliaet in Deutschland aufzuklaeren und so einen „cultural exchange“ zu betreiben. Unser Projektleiter hat es dahingehend gut auf den Punkt gebracht, als er meinte, dass es ungeheuer wichtig sei, dass die verschiedenen Kulturen in Zeiten einer immer mehr zusammenwachsenden Welt offen fuereinander sind und voneinander lernen.
Deshalb haben wir auch Anfang des Monats eine Praesentation ueber unser Heimatland gehalten, in der wir die gesamten Mitarbeiter auf eine zweistuendige virtuelle Reise nach Deutschland mitgenommen haben. Dabei haben wir ihnen einige Brocken Deutsch beigebracht, sie bei einem virtuellen Museumsbesuch ueber die Geschichte Deutschlands informiert, sie auf eine Sightseeingtour durch Deutschland mitgenommen, ihnen das deutsche Essen anhand von deutschen Plaetzchen (Dank an dieser Stelle an Corinnas Mama!) naehergebracht und die fuer uns wichtigsten kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Indien aufgezeigt. Natuerlich blieb auch Zeit fuer Fragen, wobei uns unsere Mitarbeiter durch Fragen ueber die Kirchensteuer, unsere saekulare Ordnung und die Bedeutung unserer Nationalflagge ganz schoen auf Trapp hielten.
Alles in allem genossen wir es aber durch und durch, dass wir nach drei Monaten, in denen wir so unglaublich viel ueber ihr Land, ihre Kultur und Lebensweise lernen durften, auch einmal etwas zurueckzugeben und den Mitarbeitern zeigen zu koennen, aus welchem Hintergrund und Kulturkreis wir stammen und gepragt sind.

Karl Kuebel Geburtstag, Kulturschock und Kontakte

Herzlichen Glueckwunsch “Karl Kuebel Institute of Development Education” hiess es fuer uns Mitte des Monats, als wir eingeladen wurden bei der zehnjaehrigen Jubilaeumsveranstaltung des KKIDs mitzuhelfen. Gerne nahmen wir diese einmalige Einladung an und so ging es fuer uns am 9.Dezember mit dem Nachtzug in Richtung Coimbatore.
Erst einmal sammelten wir aber auf dem Weg Anni und Lucia in Mangalore auf und verbrachten mit ihnen einen Tag in dieser indischen Grossstadt. Man koennte sagen, dass wir dort unseren ersten kleinen Kulturschock erlebten... Wie die voelligen Landeier starrten wir die Frauen an, die OHNE Schal, teilweise auch mit traegerlosen Churidas oder gar in westlichen Klamotten durch die Strassen liefen. Den Hoehepunkt bat ein muslimisches Paerchen, das in aller Oeffentlichkeit Zaertlichkeiten austauschte. WAREN WIR NOCH IN INDIEN?
Doch das war sogar noch nicht alles...wir konnten unseren Augen kaum trauen, als wir einen Pizza Hut wie auch einen Coffee Day entdeckten. Nachdem wir uns drei Monate nur von indischem Essen ernaehrt haben und so einige abendliche Gespraeche nur darueber gefuehrt haben, was wir jetzt am liebsten essen wuerden (Pizza, Nudeln, Kuchen, Apfelstrudel..), konnten wir nicht anders als uns in die Konsumhoelle zu stuerzen. Und das schmeckte guuuuuuuuuuuuuut;-) Die einzigen Saetze, die wir beim Schlemmen formulieren konnten, waren „Ich packs nicht...viel zu krass!!!“
To put it in a nutshell, wir fuehlten uns wie Dorfkinder in einer modernen Grossstadt, in der es so viel zu bestaunen, zu probieren und zu sehen gab und uns wurde ganz deutlich klar, wie vielseitig und gegensaetzlich dieses Land Indien ist.
Nachdem wir diesen mittelgrossen Kulturschock einigermassen ueberwunden hatten, ging es dann mit den anderen zwei Maedels weiter nach Coimbatore. Es tat so ungeheuer gut sich nach drei Monaten mal wieder mit Gleichgesinnten auszutauschen, Anekdoten zu teilen wie auch ueber Probleme und Gefuehle zu reden. Ihr koennt euch also denken, wie viel wir in dieser Nacht schliefen...
Voellig uebermuedet m KKID angekommen, ging es dann aber auch schon Holter die Polter los mit der Arbeit. Wir dekorierten ganz im indischen Stil mit allem moeglichen Glitzerkram die Festhallen, halfen bei der Planung und Durchfuehrung eines Children’s Day, bei dem Waisenkinder aus verschiedenen Heimen in Wettbewerben gegeneinander antraten, malten bis spaet abends Rangoli (indische Mandalas) auf den Boden und genossen es einfach in vollsten Zuegen so gut in das KKID-Team integriert zu werden.
Der Jubilaeumstag selbst wurde sehr feierlich begangen und so warfen wir Freiwilligen uns auch sehr in Schale in unsere neu erstandenen Saris. Unser Versuch, den Sari einmal selbst zu wickeln, endete aber leider dabei, dass uns die anderen Mitarbeiter entsetzt beaeugten und uns mit den Worten „What happened?“ in den naechsten Nebenraum zogen, um uns dort neu anzukleiden.
Zu dem Jubilaeum waren der gesamte Stiftungsrat der Karl Kuebel Stiftung angereist und so hatten wir die Moeglichkeit uns einmal laenger mit diesen ueber unsere Erfahrungen in Indien auszutauschen. Es tat ungemein gut auf ein offenes Ohr zu stossen und wir bekamen durch diesen Austausch und besonders durch die Wertschaetzung unserer Arbeit von Seiten des Stiftungsrat einen sehr grosse Motivationsschub. Ein dickes Dankeschoen noch einmal hierfuer!
Auch bedanken wollen wir uns dafuer, dass wir durch die Feierlichkeiten einen noch tieferen Einblick in die Ablaeufe, Hintergruende und Probleme von Entwicklungszusammenarbeit bekommen konnten. Wir verstehen immer mehr, inwieweit die Karl Kuebel Stiftung in die Projekte involviert ist, worauf sie ihren Schwerpunkt setzt und dass Nachhaltigkeit das Schluesselwort jedes Projekts ist.
Ja, wir begeben uns immer mehr als Lernende in dieses Land und nehmen dadurch viel fuer uns mit...

Sonntag, 6. Dezember 2009

Unsere Goldkinder aus dem Asha Kiran Hostel

Kaum biegen wir mit unseren Fahrraedern in den kleinen Weg zum Asha Kiran Hostel ein, kommen die Kids auf uns zu gerannt, lachen uns mit einem breiten Grinsen an und von allen Seiten prasseln Fragen wie „How are you?“ „What’s your name? “und „How old are you?“ auf uns ein. Und wieder einmal sind wir fasziniert von der Froehlichkeit und Unbeschwertheit, die diese Kinder ausstrahlen.
Dabei haben diese Kinder schon einiges in ihrem kleinen Leben durchgemacht... Viele konnten bis vor kurzem nicht regelmaessig zur Schule gehen, manche sind unterernaehrt, andere haben schon ihre Eltern verloren und einige wenige mussten sogar in ihren jungen Jahren schon arbeiten. Genau solche Kinder mit diesen Hintergruenden werden vom Staat in Heimen, wie dem Asha Kiran Heim untergebracht, um ihnen durch eine spezielle Foerderung die Chance zu geben mit Gleichaltrigen schulisch wieder mithalten zu koennen.
Bei unseren ersten Besuchen dort, waren wir hin- und hergerissen zwischen Euphorie und Entsetzen. Auf der einen Seite waren wir sehr beruehrt von all den strahlenden Kindern, die uns mit Fragen löcherten, mit uns lachten, alberten und spielten. Auf der anderen Seite jedoch waren wir von der schlechten Ausstattung wie auch von der Enge des Heims geschockt: In nur zwei mittelgroßen Zimmern schlafen, leben, spielen und lernen 40 Kinder, die von nur einer Lehrerin betreut werden. Auch der Umgangston dort ist relativ rau und auf die Kinder wird und kann nicht einzelnd eingegangen werden. Fuer uns war und ist es immer noch schwer diese Realtiaet so anzunehmen und zu verstehen, da wir selbst unter einer ganz anderen Paedagogik und Schwerpunktsetzung aufgewachsen sind: Im Kindergarten wurden unsere individuellen Talente in der Sonnenscheingruppe besonders gefoerdert, aus Unmengen von Spielsachen konnte jeder sein liebstes waehlen und unsere Entwicklungen wurden in einem Bericht speziell dokumentiert.
Doch hier in Indien – so mussten wir schon haeufig lernen – laeuft nun mal vieles anders, wobei anders keinesfalls nur schlechter bedeuten muss.
Aber jetzt zurueck zu den Kids bzw. zu unserer Arbeit mit ihnen. Da das Hostel – wie gesagt – sehr minimal ausgestattet ist, haben wir uns vorgenommen moeglichst viele Spiele zusammen mit den Kindern zu basteln oder neue Spielideen zu entwickeln. Auf diese Weise ist nun z.B. schon ein Memoryspiel entstanden und wir planen weiterhin ein Twisterspiel, Flugbaelle und einen Fallschirm zu basteln.



Es ist uns klar, dass wir die Grundsituation im Asha Kiran Hostel und auch das schwierige Leben der Kinder nicht veraendern koennen. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass wir viel bewegen koennen, wenn wir uns einfach Zeit fuer sie nehmen, sie als Einzelpersonen ernst nehmen und ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken.
Mit diesem Hintergrund haben wir letzte Woche mit vielen kleinen Fotos den „Asha Kiran Family Tree“ entstehen lassen, in dem jedes Kind, als auch die Betreuerin und die Koechin ein wichtiger Teil sind.


Neben diesen Samstagsaktivitaeten unterrichten wir die Kinder zweimal woechentlich in Englisch. Das Englisch der Kids ist sehr schlecht und so haben wir uns auch nicht zum Ziel gesetzt ihnen diese Sprache perfekt beizubringen, sondern vielmehr mit kleinen Spielen, Liedern und Rollenspielen ihr Interesse am Englischen zu steigern.

Doch nicht nur sie sollen etwas von uns lernen, sondern auch wir wollen etwas von ihnen lernen. Voller Stolz und Freude bringen uns die Jungs und Maedchen Woerter in Kannada, Hindi oder Konkani bei und zeigen uns ihre indischen Lieblingsspiele.


Diese Spiele sind so schoen, dass wir sie sammeln und in einem kleinen Booklet festhalten wollen. Unser derzeitiger Favorit ist das Spiel „Gandhi, Nehru, Subhash“ bei dem die Betreuerin immer einen der Namen ruft und die Kinder dann blitzschnell die entsprechende Koerperhaltung der indischen Nationalhelden einnehmen muessen.
Gandhi, Nehru, Subhash Und so beenden wir den (etwas verspaeteten) Blog mit den Worten, mit denen uns die Kinder immer lauthals verabschieden: Immune Sigona!!!