Freitag, 5. März 2010

Es gibt in Indien tausende Goetter, aber nur 365 Tage diese zu feiern

Indien ist ja bekannt dafuer, immer alles gross, bunt und laut zu feiern. In den letzten Wochen hatten wir die Gelegenheit einige hinduistische Feste selbst mitzuerleben, mitzufeiern und mitzugeniessen…Davon wollen wir euch heute berichten!

1. Holi




Schon seit unserer Ankunft in Indien freuten wir uns auf dieses Fest, eines der Lieblingsfeste der Inder (ihr muesst wissen, jeder Inder hat hier ein Lieblingsgott und somit auch ein Lieblingsfest).
Beim Fest Holi handelt es sich um ein dem Gott Krishna geweihtes Fruehlingsfest. An diesem Tag gedenkt man Krishnas anmutigem Floetenspiel, womit er als Hirtenjunge alle verzaubert hatte.


http://www.energyenhancement.org/krishna


Die Menschen bewerfen sich gegenseitig mit farbigen Pulver und bespritzen sich mit Wasser. Die gesellschaftlichen Schranken sind gelockert und die Kastengesetze voruebergehend aufgehoben. Die Farben symbolisieren dabei den hereinbrechenden Fruehling mit seinen bluehenden Feldern und bunten Blumen. Jede Farbe steht darueberhinaus fuer etwas bestimmtes. So erklaerte uns eine Freundin die Bedeutung der Farben in der folgenden SMS:

“Peace – White
Power – Red
Knowledge – Yellow
Development – Green
Love – Pink
Success – Blue
I wish these all colours come in your life! Happy Holi!”

Und schon in den ersten Minuten waren wir froh ueber die Warnung, wir sollen an diesem Tag unsere aeltesten Churidars anziehen. Die erste Ladung Farbe traf uns fahrradfahrend noch im Halbschlaf auf dem Weg zum Fruehstueck. Baaaam….und schon waren wir Pink! Bis wir endlich bei bei Lincy ankamen, hatten wir schon jede erdenkliche Farbe in mehreren Schichten auf unserem Gesicht und der Kleidung gesammelt. Nach dem Fruehstueck fuhren wir dann ins Hostel, wo wir dann endlich nicht nur die Farbopfer waren, sondern auch ordentlich austeilten. Hui, war das eine Gaudi!


Wir muessen wahnsinnig amuesant ausgesehen haben, denn jeder, den wir auf dem Weg getroffen hatte, lachte schallend ueber uns. Dabei sahen ja alle gleich bunt aus, egal ob Kind, Busfahrer, Hund oder Foreigners.
Holi ist definitiv unser indisches Lieblingsfest!!!




2. Tempelfest

Wir durften diesen Monat auch ein typisch indisches Tempelfest in Shejdwad erleben. Jeder Tempel feiert einmal im Jahr ein solches Fest, an dem der spezielle Gott des Tempels besonders geehrt und gefeiert wird. Die Feierlichkeiten finden meist am Abend statt und ziehen sich ueber mehrere Tage hin. Ganz typisch ist dabei der meterhohe, festlich geschmueckte Festwagen (“rollender Tempel”), der den Mittelpunkt des Fest darstellt.



Auf diesem Wagen befindet sich ein kleiner Poojaraum, indem dem bestimmten Gott Opfergaben und Gebete dargebracht werden. Die Menschen stellen sich dafuer in endlos scheinenden Schlangen an. Dabei haelt jeder das “offizielle Poojaset” bereit. Dieses besteht aus einer Kokosnuss, einer Banane, Blumenkette und Raeucherstaebchen. Nachdem diese gesegnet wurden, werden sie zu Prasadam (god’s gift) und gegessen, geteilt und ins Haar gesteckt.
Neben all diesen Poojas (Opferdarbietungen), Gebeten und Tempelgaengen, scheint ein Tempelfest auch als eine Art “Come together” zu dienen. Es trifft sich die ganze Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen, um gemeinsam zu feiern, sich an den zahlreichen Staenden mit Jalebi, Pehl Puri oder Gobi Manchuri den Magen voll zu schlagen und das “cultural program” mit Musik, Tanz und Theater zu geniessen. Uns erinnerte dieses Tempelfest in Zuegen irgendwie an unsere deutschen Volksfeste, „nur“ eben in indischer, hinduistischer Version!


Die Herstellung von Jalebi


3. House warming ceremony

“Die Einweihung eines Hauses stellt nach der Hochzeit und vor dem Tod das zweitwichtigste Ereignis im Leben eines Hindus dar!”
Mit diesen Worten lud uns unser Mentor Ganesh zu seiner House Warming Ceremony nach Udupi, seinem Heimatort, ein. Ganz aufgeregt und freudig fieberten wir diesem sehr besonderen Tag entgegen. Unsere Neugier wurde noch weiter gesteigert, als Ganeshs Frau Vidhya uns am Abend vorher unbedingt darauf hinweisend musste, dass wir doch DRINGEND unsere Saris mitnehmen und moeglichst auch nicht allzu viel vor der Feierlichkeit essen sollten.
Voller Vorfreude machten wir uns also auf den Weg nach Udupi und wurden dort herzlich von Ganesh, seiner Familie und der gesammten Nachbarschaft empfangen. Kaum angekommen waren wir auch schon mittendrin und Teil der ganzen Ritualen, Braeuchen und Poojas. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollte: Da waren eine Horde von hinduistischen Priestern und Tempeldienern, einige heilige Feuerstellen (im NEUEN Haus!!!), bunte Rangoli (Mandalas) auf dem Boden, Kuhdung vor der Eingangstuer, Saecke von Reis und Berge von Kokosnuessen fuer die Poojas, unser Mentor im traditionallen Brahmanenoutfit und ueberall roch man die Massen an Raeucherstaebchen, hoerte man meditative Sanskrit-Gebete wie auch Pooja-Gloeckchen und ploetzlich standen dann auch noch zwei heilige Kuehe mitten im Wohnzimmer, die genuesslich den gesegneten Puffreis vom Bananenblatt schleckten. Wir waren baff...


Rangoli werden aufgemalt



Kuehe betreten das neue Haus


Insgesamt erstreckten sich die verschiedenen Homas (= spezielle Poojas, die am offenen Feuer gehalten werden) ueber einen Abend und einen Morgen und dauerten alles in allem fast 6 Stunden. Mit all diesen Opferdarbietungen, so erklaerte uns Vidhya entschuldigen sich die Hausbesitzer fuer all die Kleintiere, die eventuell beim Bau des Hauses getoetet wie auch fuer das Blut, das von den Handwerkern „vergossen“ wurde.
Wir waren besonders beeindruckt von den Priestern, die stundenlang und bis in kleinste Detail routiniert ihre Gebete sprachen, Prasadam ins Feuer warfen und Vidhya und Ganesh erklaerten, was sie genau zu tun hatten. „But be careful! You should better not touch the priests, they are a little bit religious!!!“, dieser Satz von Vidhyas Bruder wird uns wohl immer im Gedaechtnis bleiben und uns ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern... Totmuede vielen wir dann am spaeten Abend, ganz benebelt vom Homa-Rauch und voller neuer Eindruecken in unser Bett. Doch lange war die Nacht fuer uns leider nicht, schon um 4 Uhr morgens ging es naemlich wieder weiter! Dann endlich wurden Ganesh und Vidhya die offiziellen Hausbesitzer, nachdem sie wiederrum unter viel Rauch und Sanskrit-Gebeten das Haus feierlich betraten.
Die Zeremonie wurde schliesslich durch ein riesen grosses Festessen abgerundet, zu dem saemtliche Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und weniger Bekannte eingeladen wurden. Und endlich verstanden wir Vidhyas Warnung, dass wir am Tag zuvor nicht so viel essen sollten. Das Mittagessen bestand aus sage und schreibe 26 (!!!!!!) verschiedenen Gerichten, die alle dekorativ auf einem Bananenblatt serviert wurden und uns einfach nur stauen und geniessen liessen...



Ganesh und Vidyhya in traditioneller Kleidung




Homas



Hinduistische Feste – etwas ganz anderes, aufregendes, spannendes, spassiges und beeindruckendes, das wir diesen Monat auf jeden Fall lieben gelernt haben... Wir hoffen wir konnten euch duch unsere Berichterstattung ein wenig daran teilhaben lassen!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Schule auf indisch

TEACHER, TEACHTER, TEACHER!!!!

Dass wir beide nur einige Monate, nachdem wir selbst nicht mehr die Schulbank druecken so angesprochen (bzw. angetroetet) werden, haetten wir ja wahrlich auch nicht gedacht... Doch seitdem wir in der nahe gelegenen Grundschule Englisch unterrichten, ist das fuer uns Alltag geworden.


Theresa beim Unterrichten vor der Klasse

Doch bevor wir uns als Grundschullehrer versuchten, hatten wir in den vergangenen Monaten wir die Moeglichkeit einige Schulen rund um Karwar zu besuchen, um so einen etwas tieferen Einblick in das indische Schulsystem, die Lehr- und Lernweise zu bekommen.
Der Ehrlichkeit zuliebe muss man aber einraeumen, dass das “Anschauen” in manchen Schulen eher schlecht als recht geklappt hat und so wurden wir des oefteren einfach vor eine Klasse gestellt mit dem Auftrag: “Teach the children!” Nach fragenden Blicken, kurzer Verwirrung und Gedanken wie “Wo ist die Tuer?” schuettelten wir uns dann Lieder wie “If you happy and you know it” oder das Spiel Obstsalat aus dem Aermel. Und so entdeckten wir bei diesem Sprung ins kalte Wasser nicht nur den Spass am Unterrichten an einer indischen Schule, sondern lernten auch wie wichtig, ja fast lebensnotwendig Spontanitaet und Improvisationstalent in Indien sein kann.


Die Kids tanzen uns etwas vor

Aber nun zurueck zu Schulen. Nach all den Blogeintraegen, in denen wir ueber dieses doch so andere und verrueckte Land Indien berichtet haben, koennt ihr euch ja wahrscheinlich vorstellen, dass natuerlich auch das Schulleben in Indien voellig anders verlaeuft als in Deutschland.
Der Tag beginnt fuer die Kleinen, meist in blau-weisser Schuluniform gekleideten Kinder um 9.30Uhr mit dem morgentlichen Appell auf dem Schulhof. Dort stellen sich alle in Reih und Glied auf, kleine Ansprachen werden gehalten, Ansagen gemacht und voller Stolz die Nationalhymne getraellert. Das alles wirkt fuer das deutsche Auge ein wenig befremdlich, da sehr militaerisch. Doch betrachtet man dies aus indischer Perspektive ist es ein Zeichen von Diszplin und Vaterlandsliebe, was hier etwas voellig normales, wertvolles und unabdingbares ist.


Schueler beim Morgenappell

Nach dem Morgenappell geht es dann in die Klassen, die meist um einiges groesser sind, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Aber nicht nur die Klassenstaerke ist etwas, an das man sich erst gewoehnen muss. Auch die Art, wie unterrichtet wird ist voellig verschieden zu der uns bekannten. Der Unterricht wird meist sehr frontal gehalten und bei solch grossen Klassen ist es natuerlich auch nicht moeglich Einzelne speziell zu foerdern. Wer am lautesten “Teacher, Teacher” schreit, gewinnt meistens, so haben wir jedenfalls den Eindruck;-)
Ganz besonders befremdlich wirkt fuer uns auch die Lernweise der indischen Schueler. Auswendiglernen bestimmt ihren Lernalltag, da ist nichts mit Abstrahieren, auf andere Beispiele anwenden oder Regeln ableiten. Der Lehrer diktiert die Antworten auf die Fragen zum Text, die Kinder schreiben sie brav ab und sich hinter die Ohren. Voellig abgekapselt vom eigentlichen Text, stellt die Lehrerin in der Klasse dann z.B. die Frage: “In which lines of the poem does the poet speak to the reader?” und eine handvoll Kinder antworten wie aus der Pistole geschossen: “The poet speaks to the reader in line 8, 12 and 17.” Und nur weil die Kinder die Antwort wissen, heisst das leider nicht, dass sie auch verstehen, was sie sagen.
Ein weiterer Aspekt, der uns immer wieder ueberrascht, ist wie stark die Schule das Leben der indischen Kinder bestimmt. Von Montag bis Samstag haben die Kleinen jeden Tag von morgens bis abends Schule, nur der Samstag ist meist halbtags. Und nachdem am Abend die Schulglocke gelaeutet hat, ist fuer die Kinder noch lange nicht Spielen, Rumtollen und Ausruhen angesagt. Hausaufgaben, Projekte und Auswendiglernen wartet dann auf sie. Wir fuehlen uns schon so manchmal als “Lazy fellows”, wenn wir unsere Schulzeit mit der indischen vergleichen!
Seit Januar unterrichten wir nun also taeglich die 7.Klasse an der nahe gelegenen Shirwad School in Englisch und dies bereitet uns immer mehr Freude. Als wir im Dezember gefragt wurden, ob wir nicht Lust haetten an der Schule als Lehrer ein wenig auszuhelfen und so auch einige unserer “fremden” Lernmethoden dort einzufuehren bzw. vorzustellen, fuehlten wir uns erst ein wenig ueberfordert und waren uns nicht sicher, ob wir dieser Rolle gewachsen waren. Schliesslich haben wir keinerlei Ausbildung oder Erfahrungen in diesem Bereich. Aber bekanntlich waechst man ja an den Aufgaben, die man bekommt und gluecklicherweise durften wir das auch so erfahren.
Eine unserer Aengste und auch Schwierigkeiten zu Anfang war sicherlich die Sprachbarriere. Unser Kannada reicht naemlich leider immer noch nicht mal zum Bananen kaufen und das Englisch der Kids koennte man auch als “sehr duerftig” bezeichnen. Doch haben wir und die Kinder zum Glueck sehr schnell gelernt uns mit Haenden und Fuessen zu verstaendigen. Beim Erklaeren von Woertern wie z.B. squirrel (Eichhoernchen) machen wir uns fiepsend und huepfend immer wieder zum Affen.
Seit einigen Wochen versuchen wir nun tagtaeglich den Spagat zwischen der indischen und deutschen Lehr- und Lernweise zu machen. Denn muessen wir die Kinder leider auch die Antworten stumpf auswending lernen lassen – sie brauchen sie ja fuer die Examen – aber wir versuchen zumindest, die Kids selbst die Saetze bilden zu lassen und haben so das Gefuehl, sie verstehen sie auch besser.


Corinna kontrolliert die Hausaufgaben

Im Laufe unserer Zeit hier in Indien und auch dank unserer Erfahrungen in den Schulen, wird uns immer mehr bewusst, wie unheimlich wichtig eine gute Schulbildung ist. Schon an der Art, wie sich die Kinder verhalten, merkt man oft, was fuer eine Schule (privat oder staatlich) sie besuchen und natuerlich wird auch die Zukunft, die spaeteren Berufschancen, ja eigentlich das gesamte Leben sehr stark von ihr beeinflusst bzw. bestimmt.
Und so klar wie jetzt war uns noch nie, wie dankbar wir fuer unsere gute Schulbildung sein koennen und auch sollten…

Donnerstag, 11. Februar 2010

Ein kleines Stueckchen Heimat



Voller Aufregung standen wir am 26.Januar um 5 Uhr fruehs am Flughafen in Goa und hielten zitternd vor Kaelte und Nervositaet unser in den indischen Nationalfarben gestaltetes und mit Faehnchen behaengtes Plakat “Welcome to India” in den Haenden. Eine Horde indischer Taxifahrer, Reiseveranstalter und Hotelangestellte wartete mit uns auf die Maschine aus Frankfurt und so mussten wir uns ganz schoen stricken und recken, um durch das Meer an “Willkommen Waltraud” und “Welcome Heinrich”- Schilder einen Blick in die Ankunftshalle zu erhaschen. Doch ploetzlich waren wir nicht mehr nur Teil des Meeres, sondern zogen quietschend, huepfend und winkend die perplexen Blicke auf uns: Nach 5 ½ Monaten sahen wir das erste Mal wieder einen Teil unserer Familie und schwups lagen sich auch schon Theresa und ihr Freund Philipp und Corinna und ihre Mama Beate in den Armen. Das Wiedersehen war unheimlich ausgelassen und wir fuehlten uns fast wie in einem Bollywoodfilm, als wir aufeinander zurannten. Nur die theatralische Hintergrundmusik fehlte…
Diese waren die ersten Minunten des zweiwoechigen Besuches von Beate und Philipp hier bei uns in Indien, auf den wir so lange gewartet haben.
Den ersten Tag ihres Besuches gab es unheimlich viel zu erzaehlen, zu lachen, berichten und auszutauschen. Nach 5 ½ Monaten hat man sich schon so einiges zu erzaehlen!
Das erste Highlight fuer uns war dann am darauffolgenden Tag der erste Besuch im Office, bei dem wir unsere Lieben allen Mitarbeitern, Freunden und adoptierten Verwandten vorstellten. Dabei waren nicht nur wir und unser Besuch aufgeregt und angespannt, sondern mindestens genauso stark unsere indischen Freunde. Doch waren die zwei ohne wenn und aber sofort in die KRWCDS-Family als Aunty und Theresa’s husband integriert und wurden fuer direkt fuer den letzten Abend von Denny zum Essen eingeladen.


Auch unser Projektleiter hiess die beiden nach dem Motto “Your guests are our guests” herzlich willkommen, nachdem er sich koestlich darueber amuesiert hatte, dass wir die beiden schon darauf trainiert hatten, ihn - wie hier in Indien ueblich - nicht beim Namen sondern “Sir” zu nennen. Nachdem Mitbringsel aus Deutschland ausgepackt wurden, gab er uns eine kleine aber feine Einfuehrung in die Wunderwelt Indien, von der man ihm zufolge “immer weniger versteht, je mehr man sieht”.
Trotzdem haben wir unser Bestes gegeben, Beate und Philipp in den darauffolgenden Tagen beides naeher zu bringen, das Verstehen und das Sehen. Dabei ist uns bewusst geworden, wie vertraut uns alles mittlerweile schon ist, wie stark wie uns hier eingelebt haben und wir heimisch wir uns schon fuehlen. Es sind so die kleinen Dinge, wie das verwirrende Kopfwackeln, der chaotische Verkehr oder die indische Art zu reden, die fuer uns schon so alltaeglich sind, jedoch fuer die Beiden etwas voellig Neues. Und so entdeckten wir Indien hier dank ihnen noch einmal ein wenig neu, staunten wieder ueber Poojas am Strassenrand, Kuehe auf der Strasse, die farbenpraechtigen Saris der indischen Frauen, die herzliche Gastfreundschaft und die Sonderrolle von Weissen hier in Indien.
Doch gleichzeitig wuehlte uns unser Besuch emotional auch ganz schoen auf…Die alte Heimat in der neuen Heimat zu haben, das alte Leben mit dem neuen zu mischen und dabei in keiner Welt vollstaendig zu stecken. Dabei kamen – so komisch es auch klingen mag – ganz schoen Heimwehgefuehle auf, da man ja nur einen kleinen Teil seiner Familie um sich hatte und dadurch umso mehr an die Daheimgebliebenen und die Heimat erinnert wurde.
Zum Glueck blieb aber zum Sehnsucht haben nicht allzu viel Zeit, da wir unsere Tage in Karwar gut durchgeplant hatten. Wir versuchten unsere gewohnte Arbeit so weit es ging fortzusetzen und unserem Besuch dabei unseren indischen “Alltag” naeher zu bringen. So nahmen wir z.B. mit zum Englischunterricht ins Asha Kiran Hostel und fuehrten mit ihrer Hilfe dort samstags einen “Competition day” mit deutschen Kindergeburtstagsspielen wie Sackhuepfen, Topfschlagen und Wettessen durch.



Wir bekamen auch die Moeglichkeit mit ihnen zusammen das Projektgebiet der KKS, die sogenannte “tribal area”, zu besuchen und somit einen Einblick in Entwicklungszusammenarbeit vor Ort zu bekommen.


Am letzten Abend in Karwar wurden die Beiden dann auch noch in das liebenswuerdige, herzliche und bunte indische Familienleben eingefuehrt. Denny, einer der Mitarbeiter, lud uns alle zum Abendessen ein und ueberraschte und dort mit der gesamten Karwar-Grossfamilie und einem gigantischen Dinner. Dies und auch Denniz Satz, dass er ab jetzt Geld spare fuer einen Flug nach Deutschland, machte es fuer uns doppelt schwer am naechsten Tag aus Karwar aufzubrechen und uns auf eine kleine Rundreise zu begeben.


Diese mehrtaegige Tour war fuer uns alle etwas voellig neues, da wir nicht nur einen neuen Teil Indiens kennenlernten, sondern auch das erste Mal seit 5 ½ Monaten mehr als eine Stunde getrennt waren.
Wir beide haben es aber sehr genossen einmal voellig rauszukommen aus dem Leben in Karwar, einfach mal Touri in Indien sein, mehr Freiheiten zu haben, nichts abklaeren zu muessen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Wir haben die Tage ein komplett anderes Leben gefuehrt, sind aber nun auch wieder froh zusammen zurueck in Karwar zu sein.
Und zum Glueck sehen wir unsere Lieben ja in 11 Wochen schon wieder und dieser Gedanke machte den Abschied dann ein wenig ertraeglicher… Und wie sagt man auch so schoen, man soll ja aufhoeren, wenn es am schoensten ist!!!

Sonntag, 24. Januar 2010

Uda aydu???

„Uda aydu“ oder schlichtweg „Had your food?“
Dies ist Frage Nummer 2, die man hier in Indien immer und ueberall gestellt bekommt, nachdem man nach seiner Familie gefragt wurde.
In so einem Fall am besten immer mit einem laut stoehnenden „Yes...fulllllllllllllllll“ antworten, um besorgte, mitleidige Blicke abzuwehren und um zu verhindern, dass man gleich zum naechsten „Hotel“ (= einfaches Restaurant) geschleppt wird.
Doch wollen wir das indische Essen jetzt keinesfalls ins schlechte Licht ruecken. Ganz im Gegenteil, wir sind beide ganz vernarrt auf Idli, Dosa, Samba, Bagi, Chapati und alles was die indische Kueche sonst noch so hergibt.

Wir geben euch am besten einmal einen kurzen Ueberblick ueber einen „Essenstag“ in Indien:
„Morgenstund hat Gold im Mund“, dies trifft auch auf das Essen hier in Indien zu. Das Fruehstueck ist naemlich mit Abstand unser Lieblingsessen hier. Jeden Morgen zaubert uns unsere Lincy eine neue Leckerei, sodass uns das Fruehstueck hier vorkommt wie eine grosse, bunte Wundertuete. Allerdings muss man sich hier schnell von Muesli, Nutella, Marmeladenbroetchen und Brot verabschieden, in Indien isst man naemlich schon fruehs warm und deftig. Es war fuer uns am Anfang schon ein wenig eine Herausforderung schon fruehs als Beilage ein warmes, scharfes Curry zu essen, doch mittlerweile wollen wir es schon nicht mehr missen... Reis ist die Grundlage der meisten Fruehstuecksgerichte und so wird er in verschiedenster Konsistenz und Form gebacken (Dosa), geduenstet (Idli), mit Kokosnuss vermischt und zu Kugeln geformt (Kadambud) oder zu dicken Reispfannkuchen gebraten (Appam).
Das Fruehstueck praesentiert sich in Indien mit einer enormen Vielfalt, sodass sich die Inder schon einige Male ueber unser langweiliges deutsches Fruehstueck amuesiert haben. Allerdings koennen wir damit kontern, dass bei uns dafuer das Mittag- bzw. Abendessen sehr abwechslungsreich ist, denn dieses besteht hier tagtaeglich aus Reis, Reis und nochmal Reis.
Man koennte jetzt meinen, uns kommt nach fast 5 Monaten der Reis zu den Ohren raus, aber das ist definitiv nicht der Fall. Lincy schafft es naemlich immer wieder uns mit neuen Curry- und Sambavariatonen zu ueberraschen. Und falls einem das Curry wirklich einmal nicht schmecken sollte, kann man sich immer noch an den bunten Bagis (eine Art Gemuesepfanne) und Salaten sattessen, die zu jedem Essen gereicht werden.



Das indische Essen ist wirklich ein Erlebnis, bei dem uns immer wieder Neues auffaellt, wundert und ueberrascht:

- In fast jedem suedindischen Essen befindet sich irgendwie und irgendwo eine Kokosnuss, man muss nur lange genug danach suchen...
- Ein Inder kann sich hinter dem Reisberg auf seinem Teller verstecken! Jedoch taucht er dann schnell wieder auf, als man denkt (dank der deutlich schnelleren Essgeschwindigkeit)!
- „Eat more, think less“ war ein Ratschlag eines indischen Freundes.
- Alles ist irgendwie „Good for health“...
- Indische Frauen haben die Methoden einem Gast Essen auf den Teller zu schmuggeln bis zur Perfektion ausgereift. Schaut man nur kurz weg, landet eine volle Ladung Reis auf dem Teller und der Gastgeber grinst frech und erfreut zugleich. Doch auch die volle Konzentration auf seinen Teller bringt nichts, wenn die Gastgeberin mit einem Dackelblick und Nachschub vor einem stehen... Da hilft nur Augen zu und durch!

Da der CFI-Staff die letzten Tage auf Betriebsausflug war und wir deswegen fruehs keinen Englischunterricht geben konnten, haben wir die Chance und die freie Zeit genutzt, um bei unserer indischen „Koechin“ Lincy in die Lehre zu gehen. So haben wir jetzt schon einige Rezepte gesammelt und sind nun dabei ein kleines indisches Kochbuch zu erstellen.
Um euch auch einmal auf den Geschmack Indiens zu bringen, wollen wir euch heute einmal das Rezept unseres Lieblingsessens verraten:

Dal, Gurkenbagi und Kokosnuss-Chutney



Dal
2 Tomaten
1 Zwiebel
3 gruene Chilli
250g gelbe Linsen
1 TL Kurkuma
1 TL Kuemmel
2 TL Salz
Etwas Tamarindenmus
Einige frische Curryblaetter
300 ml Wasser
5 Knoblauchzehen
1 TL schwarze Sesamsamen
etwas Maggi
ein Bund frischen Koriander

Die Tomaten, Zwiebeln und den Chilli klein schneiden, mit den anderen Zutaten vermischen und kochen (im Schnellkochtopf 20 min, im normalen Topf entsprechend laenger). Parallel dazu ca. 5 Knoblauchzehen zerhacken und mit 1 TL schwarzen Sesamsamen und wenig Zwiebelnstuecken in heissen Fett frittieren, bis die Sesamsamen aufplatzen. Anschliessend alles vermischen, die gehackten Korianderblaetter hinzufuegen und nach belieben mit etwas Maggi und zusaetzlichem Salz abschmecken.

Bagi
700g kleine Guerkchen oder auch Zuchini
½ Kokosnus
1 Zwiebel
1 gruene Chilli
1 TL Kurkuma
Einige frische Curryblaetter
1 TL Salz
1 TL Senfsamen

Die kleinen Guerkchen in Scheiben schneiden, die Zwiebel und die Chilli in Stuecke hacken und die Kokosnuss aushoelen. Alles mit dem Kurkuma, den Blaettern und dem Salz vermengen. Nun noch die Senfsamen in Fett frittieren, bis sie aufplatzen und sie untermengen.Anschliessend die gesamten Zutaten (am besten in einem Wok) bei ein wenig Fett und Wasser ca. 15 min anbraten bzw. duensten.

Kokosnuss-Chutney
½ Kokosnuss
½ Zwiebel
1 cm Ingwer
½ TL Salz
1 TL gemalene Chilli
4 EL Wasser
1 TL Senfsamen
2 EL Wasser

Die Kokosnuss aushoelen, die Zwiebel klein schneiden und das Chilligewuerz kurz in der Pfanne anroesten. Nun alles zusammen in einem Mixer puerieren. Anschliessend noch einige restliche sehr kleine Stuecke Zwiebeln zusammen mit den Senfkoernen (am besten in Kokosnussoel) frittieren und mit ca. 2 EL Wasser unter das fertige Chutney mengen.


Viel Spass beim Nachkochen, Indien geniessen und uns anschliessend verraten, wie es denn geschmeckt hat!!!

Montag, 18. Januar 2010

We are family!!!

“How is your family?”
So lautet jeden Morgen die erste Frage, die man sich hier bei uns in Indien stellt, nachdem man sich einen Guten Morgen gewuenscht hat.
Das Familienleben nimmt hier einen unheimlichen hohen Stellenwert ein. Viele leben in sogennanten „Joint Families“ mit Grosseltern, Kindern und unverheirateten Geschwistern unter einem Dach.
Doch warum ist das so? Warum ist das Familienleben in Indien so wichtig und das Gemeinschaftsgefuehl so gross? Unseren Erfahrungen und Beobachtungen zufolge liegen die Gruende hierfuer sicherlich zumindest teilweise in der indischen Mentalitaet: Wir erleben die Inder als Menschen, die am liebsten in grosser Gesellschaft, aber sehr ungern alleine sind.
Zusaetzlich hat der hohe Stellenwert der Familie aber definitiv auch pragmatische Gruende. So dient in vielen Faellen die Familie als eine Art Lebensversicherung. Da die Meisten hier keine Kranken-, Renten-, oder Pflegeversicherung haben, springt dafuer die Familie in solchen Faellen als Stuetze ein. Die Kinder versorgen ihre Eltern im Alter, pflegen sie bei Krankheit...

Wir haben fast das Gefuehl als sei ganz Indien eine Familie und wir jetzt schon ein Teil davon.
So waren wir am Anfang wirklich verwirrt, weil sich hier jeder „uncle“, „aunty“ oder „brother“ nennt und wir nicht wussten, wer jetzt wirklich, in welchem Grade und ob ueberhaupt miteinander verwandt ist.
Mittlerweile geniessen wir es aber in vollen Zuegen die Lehrerin des Asha Kiran Hostels „Sister“ zu nennen, von mehreren indischen Mamas adoptiert worden zu sein, die „Aunty“ der Enkeltochter des CFI-Projektmanagers zu sein und unseren Nachbarn „Uncle“ zu rufen.

Um euch einen kleinen Einblick in die indische Familienwelt zu geben, wollen wir euch einige Anekdoten erzaehlen, die wir in der letzen Zeit erleben durften.

1. Eine Adoption im Zug

Als wir auf dem Heimweg von unseren Goa-Weihnachtsferien, zusammen mit Anni und Lucia, durch den voellig ueberfuellten Zug irrten, trafen wir auf eine 20-koepfige Grossfamilie aus Udupi.
Wir muessen wohl ziemlich verloren ausgesehen haben, denn die Familie sprang sofort auf, um uns ihren Platz anzubieten und sich selbst zu stapeln.
Erleichtert nahmen wir das Angebot an und schneller als wir gucken konnten, waren wir schon in die Familienverhaeltnisse eingeweiht und kannten alle Mitglieder (zumindest theoretisch) beim Namen.
Nachdem wir mit Suessigkeiten versorgt wurden, aus der Hand gelesen bekamen und herzlichst nach Udupi eingeladen wurden, eroeffnete uns der Vater mit einem breiten Grinsen, dass seine Familie am heutigen Tag um vier Personen gewachsen sei ...



2. Didi! Didi!
Als wir in Deutschland erfuhren, dass wir im Buero unseres Projektes untergebracht werden sollen, hatten wir erst ziemliche Bedenken, ob wir nicht recht einsam werden wuerden.
Doch schon direkt nach unsere Ankunft wurde unsere Angst widerlegt: Unter uns und somit mit uns wohnt naemlich unsere Maaji Fatima mit ihren goldigen Enkelkindern.


Schon vom ersten Moment an begegneten sie uns mit solch einer Offenheit und Vertrautheit, sodass es auch nur wenige Wochen dauerte, bis die Kids uns nur noch Corinna-Didi und Theresa-Didi nannten, was auf Hindi soviel wie grosse Schwester bedeutet.
Jeden Abend kommen die Kinder zu uns nach oben, um mit uns Uno zu spielen, Hausaufgaben zu machen, zu basteln oder einfach Zeit mit uns zu verbringen. Wir haetten nie gedacht, dass man nach so kurzer Zeit und sogar teilweise ohne gemeinsame Sprache solch eine enge und intensive Beziehung aufbauen kann. Wir sind unheimlich dankbar dafuer, dass wir einfach zu ihnen nach unten gehen koennen wenn es uns einmal nicht so gut geht und sie uns durch ihre liebevolle und froehliche Art aufbauen.
Das gleiche ist natuerlich auch anders herum der Fall und so sind wir in den letzten Monaten gemeinsam schon durch dick und duenn gegangen ...



3. Unser „family stay“ in Kerala
„Just ask sir, just ask sir“ forderte uns Lincy – fuer uns die beste Koechin Indiens – ganz aufgeregt auf, als sie uns von der Einladung zu der bevorstehenden Hochzeit ihres Cousin-brothers aus Kerala erzaehlte.
Wir waren sofort hin und weg von der Idee Lincys Familie zu der Hochzeit nach Kerala zu begleiten und dabei ihren „Native Place“ (Heimatort) wie auch ihre Familie kennenzulernen.
Dank der Unkompliziertheit unseres Projektleiters hiess es dann letzte Woche fuer uns „Auf nach Kerala!!!“
Fuer uns war es eine einmalige und sehr wertvolle Erfahrung einmal laenger direkt mit einer typisch indischen Grossfamilie zu leben, mit ihnen fruehs aufzustehen, schlafen zu gehen, zu kochen, zu essen, im Fluss uns und unsere Waesche zu waschen...Vom ersten Moment an fuehlten wir uns voll integriert und pudelwohl.


Natuerlich liess es sich unsere Lincy auch nicht nehmen uns ihre gesamten Verwandten und Freunde vorzustellen und so zogen wir von Haus zu Haus und wurden ueberall mit indischen Chai, exotischen Fruechten aus dem Garten (Papaya, Guave, Kokusnuss...) und anderen Leckereien empfangen.


Auch die Hochzeit selbst war fuer uns ein wirklich schones Erlebnis; mit Sari, indischen Schmuck und inmitten unserer indischen Familie fuehlten wir uns gar nicht mehr als „Foreigners“, sondern vielmehr als Familienmitglieder.


Der Abschied vom entspannten Kerala und der so liebenswuerdigen und zuckersuessen Familie fiel uns somit dann auch ziemlich schwer, besonders als Lincys Mama uns an die Haende nahm und uns sagte, wir sollen doch einfach hier bleiben...



Doch auch wenn wir hier in Indien in so vielen Familien so liebevoll aufgenommen bzw. umsorgt werden und auch wenn uns diese Familie so viel geben und wir unheimlich froh und dankbar sind, sie zu haben, merken wir hier in Indien auch tagtaeglich wie wichtig uns unsere Familie in Deutschland ist, was wir an ihnen haben und wie sehr wir sie vermissen...

Montag, 11. Januar 2010

Lust auf eine Riksha-Fahrt?

Alles beginnt mit einer kleinen Handbewegung am Strassenrand. Am besten streckt man bei Hupgeraeusch von hinten ganz unauffaellig (um moeglichst laessig zu wirken) den rechten Arm aus und wartet bis ein meist voellig ueberfuelltes, dreiraedriges, schwarz-gelbes Fahrzeug neben einem anhaelt: Eine Autoriksha!
Nun nur noch schnell beim Einsteigen beilaeufig fallen lassen, wo man eigentlich hin will und los geht der Spass! Mit roehrendem Geraeusch schlaengelt sich die Riksha durch die chaotischen Strassen Karwars, ueberholt laut hupend einen Krishna-Lorry, weicht einer Kuhherde mitten auf der Strasse aus und faehrt sie dabei fast an. Der Fahrtwind ist uns bei gefuehlten 40 Grad eine willkommene Abkuehlung. Nur fuer unsere Bandscheiben ist eine solche Fahrt vielleicht nicht das gesuendeste, da unser Rikshafahrer heute mal wieder wirklich jedes Schlagloch mitnimmt.
Sechs Personen zaehlen wir heute in der Riksha. Ein Mann sitzt vorne beim Fahrer, und wir zwei relativ bequem hinten auf der Rueckbank. Doch nun haelt die Riksha wieder am Strassenrand an und zwei Frauen in bunten Saris quetschen sich zu uns in die Riksha. Der Fahrer gibt uns ein Zeichen, dass wir zusammenruecken sollen. Aber egal wie duenn wir uns machen, zu viert passen wir einfach nicht nebeneinander auf die Rueckbank und so entscheiden wir uns mal wieder spontan fuer die „Sandwich-Technik“. Ja, man lernt hier sehr schnell wie man sich bestmoeglichst „stapelt“.
Unser absoluter Rekord im Riksha-fahren liegt bei ganzen 11 Personen in einer Riksha (wobei einige Mitfahrer dabei auch halbe Portionen waren;-)).



Heute fragen wir uns mal wieder, wie denn der Fahrer ueberhaupt durch seine Scheibe gucken dann, die dreiviertels mit irgendwelchen Goetterstatuen, blinkenden Anhaengern und Girlanden vollgehaengt ist. Fragen koennen wir ihn das aber leider nicht, da er (wie eigentlich alle Rikshafahrer) kein Englisch spricht und wir dem Kannada leider auch noch nicht wirklich maechtig sind.



Nach einer siebenminuetigen Huckelfahrt kommen wir in Karwar an, druecken dem laechelnden Fahrer noch schnell die 16 Rupie (ca. 20 Cent) fuer die Fahrt in die Haende und denken uns einmal wieder: “Was machen wir in Deutschland bloss ohne Rikshas?“.

Freitag, 1. Januar 2010

Silvester einmal anders....

Schon wieder ist ein Jahr vorbei! Und 2009 war definitiv das erlebnisreichste und aufregenste Jahr, das wir bisher erlebt haben. Erst das Abitur, dann unser Start ins Abenteuer Freiwilligendienst in Indien. Da musste das Jahr natuerlich gebuehrend verabschiedet werden und so freuten wir uns ungemein, als die Kinder und Lehererin des Asha Kiran Hostels uns zu einer Uebernachtungsparty an Silvester einluden.
Zuvor wollten wir jedoch ein wenig deutsche Tradition aufleben lassen, indem wir mit den Mitarbeitern anhand von Bleigiessen einen Blick in die Zukunft warfen. Wir allen hatten einen riesen Spass und erfuhren dabei unter anderem, dass im kommenden Jahr die Familie unseres Mentors Ganesh wohl ein bisschen groesser werden wird, was ihn nicht sonderlich zu begeistern schien.



Am fruehen Abend machten wir uns dann auf den Weg ins Hostel, wo wir schon von weitem mit schallender Hindi-Musik empfangen wurden. Asha, die Lehrein des Hostels, hatte extra eine Musikanlage besorgt und praesentierte sie uns stolz. Ihr muesst wissen, dass Musik und tanzen in Indien mehr als eine Unterhaltung bzw. Bewegung zur Musik, sondern viel mehr eine Leidenschaft ist.
So stand also unserer typisch indischen Fete nichts mehr im Wege...
Wir tanzten mit unseren Kids was das Zeug haelt und lernten einige schoene indische Moves von ihnen.



Waehrend die Maedels drinnen die Hueften kreisen liessen, bastelten die Jungs auf der Wiese vorm Haus einen „Old Man“ aus Stroh, Kleidungsstuecken, Eimer und Stoecken. Dieser wird tradtionell um Mitternacht verbrannt und symbolisiert das vergangene Jahr. Wie so vieles in Indien soll das auch Glueck bringen.



Der lichterloh brennende „Old Man“ weckte dann auch die vom Tanzen erschoepften Kinder wieder auf und so hiess es lautstark „HAPPY NEW YEAR“!!!

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Das mussten wir dann auch gleich an unsere Lieben zuhause weitergeben, obwohl deren neues Jahr erst 4,5 Stunden spaeter anfing.
Der Rest der Nacht verlief relativ hart auf dem Boden des Hostels, wo wir zusammen mit den Kindern schliefen. Selbst einen Tag spaeter fragen wir uns immernoch, welche Schlafposition die am wenigsten schmerzhafte ist. Wir sind offen fuer jegliche Vorschlaege...



Fuer uns war es sehr schoen einmal fernab von jeglichen Zeitdruck mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu koennen und wir konnten foermlich fuehlen, wie das Vertrauen der Kinder zu uns „Foreigners“ wuchs.
So hoffen wir, ihr habt das neue Jahr genau so bunt und lustig begangen wie wir und wuenschen euch allen nun auch ein frohes neues Jahr voller Ueberraschungen, interessanter Begegnungen und guter Gesundheit.

Take care