Montag, 2. November 2009

Drei Hochzeiten und ein deutscher Ueberfall

Eines froehlichen Morgens kamen wir voellig unwissend und nichts ahnend zu unserer Englischstunde ins Buero und als wir wieder heraus kamen hatten wir schwubb diwubb zwei Hochzeitseinladungen in der Hand.
Mr. Anthony, der Projekt Manager lud uns zu der christlichen Hochzeit seines Sohnes Prakash ein und gleich darauf kam Mr. P.T. Naik, der Education Coordinator auf uns zu und erklaerte uns, wie sehr er sich freuen wuerde, wenn wir die hinduistische Hochzeit seines Sohnes Vinayak besuchen wuerden.
Ab diesem Zeitpunkt waren wir voellig aus den Haeuschen, da wir schon in Deutschland davon trauemten, eine echte indische Hochzeit live miterleben zu duerfen. Doch nach der Vorfeude, ein kleiner Schock: Was sollen wir nur anziehen??? Sofort war klar, die shop-owner in Karwar muessen sich warm anziehen (und das bei der Hitze ; ) !)
Und als wir nach der langen shoppingtour und unsere voll gepackten Taschen leerten, trauten wir unseren Augen kaum. Sind wir nach sieben Wochen in Indien etwa schon dem Kitschwahn der Inder verfallen und zu echten Tussis mutiert? Churidars mit Pailetten und Goldverzierung, dutzende von Glitzer-Bangels (Armreifen), knallroter Nagelack, klirrende Fussketten, schimmernde Ohringe und natuerlich schicke Schuhe fanden sich in allen Ecken unseres Zimmers wieder und verwandelten es in eine echte Glitzerbude.
Die Hochzeiten selbst waren dann mindestens genauso spannend und jede Anstregung im Vorfeld mehr als wert!

Die christliche Trauung war einer deutschen sehr aehnlich, die Feier danach dafuer umso weniger. Als der beschwingliche Moderator mit ueberschlagenden Worten das Brautpaar anpries und diese auf „cherish the love“- Musik unter Reisregen einzogen, dachten wir wirklich, wir befaenden uns in einem amerikanischen Kitschfilm. Wir genossen es zusammen mit allen Mitarbeitern das huebsche Brautpaar zu feiern und freuten uns ueber die zahlreichen Komplimente zu unseren indischen Outfits.
Als die Feier schon nach zwei Stunden zu Ende war, waren wir etwas schockiert die Braut weinen zu sehen. Doch dies scheint bei „arranged marriages“ keine Seltenheit zu sein, da die Braut nach der Hochzeit ihre Familie verlassen muss.

Auch die hinduistische Hochzeit wenige Tage spaeter war fuer uns ein absolutes Highlight. Um alle Rituale miterleben zu koennen, standen wir am Sonntag Morgen schon um 7 Uhr herrausgeputzt zusammen mit Aruldas an der Bushaltestelle. Im zwei Stunden entfernten Kumta trafen wir dann auf die Familie des Braeutigams, mit der wir dann im bunt verzierten „Wedding-bus“ zur eigentlichen Hochzeitszeremonie fuhren. Die Zeremonie bestand aus mehrstuendigen Ritualen, die sowohl von dem Brautpaar, als auch von deren Familien praktiziert wurden. So bestauten wir das Knacken von Kokosnuesse, das Bewerfen mit Reis, zahlreiche Poojas, das Tauschen des Schumucks, Feuerrituale und Segnungen.

In einer kurzen Ritualpause hasteten wir zum naechsten Shop, um uns dort eine blinkende Ganesha-Figur als Geschenk fuer das Brautpaar aufschwatzen zu lassen. Doch anders als bei uns wurden auch die Gaeste beschenkt und so verliessen wir nach einem ausgiebigen und leckeren Essen, mit vollen Taschen und vielen Eindruecken die Hochzeit.

Wir freuen uns sehr, dass wir die Moeglichkeit hatten sowohl eine christlichen, als auch eine hinduistische Hochzeit zu erleben. Nach diesen Hochzeiten wunderte es uns nicht, dass eine Frau ernsthaft dachte, wir waeren hier, um verschiedene Hochzeitszeremonien zu beobachten. Sie bat uns auch direkt die Hochzeit ihrer Tochter zu besuchen, fuer die sie gerade noch einen passenden Mann sucht. That’s India...
Von Hochzeiten konnten wir diese Woche wirklich nicht genug kriegen und so wollen wir euch auch noch von Hochzeit Nummero drei berichten.
Jedes Jahr feiern die Hindus die Hochzeit des Baumes mit dem Zuckerrohr, welche verschiedene Goetter symbolisieren. Zu diesem Anlass kauft jede Familie mehrere Zuckerrohre, die uns schon Tage vorher auf, neben und in jeglichen Fahrzeugen erfreuten.

An dem eigentlichen Hochzeitsabend durften wir der Pooja (Gebet) unseres sehr religioesen Nachbarn beiwohnen und erneut Reis werfen. Anschliessend lud er uns noch auf Suessigkeiten ein, fuer deren Suesse man keine Worte findet.
Als waeren das nicht schon genug Highlights fuer eine Woche, besuchte uns auch noch Frau Maurer von der Karl Kuebel Stiftung. Wir genossen es in vollen Zuegen mal wieder mit jemanden auf deutsch zu sprechen und News incl. Paeckchen aus der Heimat zu bekommen. Durch ihren Besuch bekamen wir auch einen Einblick in die Arbeit der KKS hier im Projekt. Frau Maurer schenkte uns nicht nur ein offenes Ohr fuer unserer kleine aber feinen Anliegen und Probleme hier, sondern setzte sich auch aktiv fuer uns ein. Vielen lieben Dank nochmal fuer diese tolle Unterstuetzung!

Wie ihr seht jagte letzte Woche ein Highlight das andere und so finden wir es wirklich schade, dass diese Tage so schnell vergangen sind.

So starten wir jetzt voll gepackt mit Erlebnissen in unseren dritten Monat hier in Indien, der uns wieder in den mehr oder weniger entwickelten Alltag bringt.

Kommentare:

  1. Hallo Ihr Lieben,

    es ist wirklich kaum zu glauben, dass die ersten beiden Monate schon vorbei sind! Aber es macht sehr viel Spaß eure Berichte zu Lesen und auf diesem Wege an euren zahlreichen Erlebnissen teilzuhaben. Außerdem sind wir Dank Handy immer auf dem aktuellesten Stand!
    Weiterhin die besten Wünsche und viele,liebe Grüße aus dem kalten Deutschland, Mama und Willi

    AntwortenLöschen
  2. Wow, das war ja mal ein echter Hochzeitsmarathon.
    Ihr habt jetzt schon den Auftrag, nach eurer Rückkehr ein schönes Schülerarbeitsblatt dazu zu machen.
    Ich fürchte, bis zu eurer Abreise werden vielleicht auch noch ein paar Heiratsangebote kommen. Bitte nicht zusagen - wir brauchen euch HIER!

    AntwortenLöschen