Donnerstag, 11. Februar 2010

Ein kleines Stueckchen Heimat



Voller Aufregung standen wir am 26.Januar um 5 Uhr fruehs am Flughafen in Goa und hielten zitternd vor Kaelte und Nervositaet unser in den indischen Nationalfarben gestaltetes und mit Faehnchen behaengtes Plakat “Welcome to India” in den Haenden. Eine Horde indischer Taxifahrer, Reiseveranstalter und Hotelangestellte wartete mit uns auf die Maschine aus Frankfurt und so mussten wir uns ganz schoen stricken und recken, um durch das Meer an “Willkommen Waltraud” und “Welcome Heinrich”- Schilder einen Blick in die Ankunftshalle zu erhaschen. Doch ploetzlich waren wir nicht mehr nur Teil des Meeres, sondern zogen quietschend, huepfend und winkend die perplexen Blicke auf uns: Nach 5 ½ Monaten sahen wir das erste Mal wieder einen Teil unserer Familie und schwups lagen sich auch schon Theresa und ihr Freund Philipp und Corinna und ihre Mama Beate in den Armen. Das Wiedersehen war unheimlich ausgelassen und wir fuehlten uns fast wie in einem Bollywoodfilm, als wir aufeinander zurannten. Nur die theatralische Hintergrundmusik fehlte…
Diese waren die ersten Minunten des zweiwoechigen Besuches von Beate und Philipp hier bei uns in Indien, auf den wir so lange gewartet haben.
Den ersten Tag ihres Besuches gab es unheimlich viel zu erzaehlen, zu lachen, berichten und auszutauschen. Nach 5 ½ Monaten hat man sich schon so einiges zu erzaehlen!
Das erste Highlight fuer uns war dann am darauffolgenden Tag der erste Besuch im Office, bei dem wir unsere Lieben allen Mitarbeitern, Freunden und adoptierten Verwandten vorstellten. Dabei waren nicht nur wir und unser Besuch aufgeregt und angespannt, sondern mindestens genauso stark unsere indischen Freunde. Doch waren die zwei ohne wenn und aber sofort in die KRWCDS-Family als Aunty und Theresa’s husband integriert und wurden fuer direkt fuer den letzten Abend von Denny zum Essen eingeladen.


Auch unser Projektleiter hiess die beiden nach dem Motto “Your guests are our guests” herzlich willkommen, nachdem er sich koestlich darueber amuesiert hatte, dass wir die beiden schon darauf trainiert hatten, ihn - wie hier in Indien ueblich - nicht beim Namen sondern “Sir” zu nennen. Nachdem Mitbringsel aus Deutschland ausgepackt wurden, gab er uns eine kleine aber feine Einfuehrung in die Wunderwelt Indien, von der man ihm zufolge “immer weniger versteht, je mehr man sieht”.
Trotzdem haben wir unser Bestes gegeben, Beate und Philipp in den darauffolgenden Tagen beides naeher zu bringen, das Verstehen und das Sehen. Dabei ist uns bewusst geworden, wie vertraut uns alles mittlerweile schon ist, wie stark wie uns hier eingelebt haben und wir heimisch wir uns schon fuehlen. Es sind so die kleinen Dinge, wie das verwirrende Kopfwackeln, der chaotische Verkehr oder die indische Art zu reden, die fuer uns schon so alltaeglich sind, jedoch fuer die Beiden etwas voellig Neues. Und so entdeckten wir Indien hier dank ihnen noch einmal ein wenig neu, staunten wieder ueber Poojas am Strassenrand, Kuehe auf der Strasse, die farbenpraechtigen Saris der indischen Frauen, die herzliche Gastfreundschaft und die Sonderrolle von Weissen hier in Indien.
Doch gleichzeitig wuehlte uns unser Besuch emotional auch ganz schoen auf…Die alte Heimat in der neuen Heimat zu haben, das alte Leben mit dem neuen zu mischen und dabei in keiner Welt vollstaendig zu stecken. Dabei kamen – so komisch es auch klingen mag – ganz schoen Heimwehgefuehle auf, da man ja nur einen kleinen Teil seiner Familie um sich hatte und dadurch umso mehr an die Daheimgebliebenen und die Heimat erinnert wurde.
Zum Glueck blieb aber zum Sehnsucht haben nicht allzu viel Zeit, da wir unsere Tage in Karwar gut durchgeplant hatten. Wir versuchten unsere gewohnte Arbeit so weit es ging fortzusetzen und unserem Besuch dabei unseren indischen “Alltag” naeher zu bringen. So nahmen wir z.B. mit zum Englischunterricht ins Asha Kiran Hostel und fuehrten mit ihrer Hilfe dort samstags einen “Competition day” mit deutschen Kindergeburtstagsspielen wie Sackhuepfen, Topfschlagen und Wettessen durch.



Wir bekamen auch die Moeglichkeit mit ihnen zusammen das Projektgebiet der KKS, die sogenannte “tribal area”, zu besuchen und somit einen Einblick in Entwicklungszusammenarbeit vor Ort zu bekommen.


Am letzten Abend in Karwar wurden die Beiden dann auch noch in das liebenswuerdige, herzliche und bunte indische Familienleben eingefuehrt. Denny, einer der Mitarbeiter, lud uns alle zum Abendessen ein und ueberraschte und dort mit der gesamten Karwar-Grossfamilie und einem gigantischen Dinner. Dies und auch Denniz Satz, dass er ab jetzt Geld spare fuer einen Flug nach Deutschland, machte es fuer uns doppelt schwer am naechsten Tag aus Karwar aufzubrechen und uns auf eine kleine Rundreise zu begeben.


Diese mehrtaegige Tour war fuer uns alle etwas voellig neues, da wir nicht nur einen neuen Teil Indiens kennenlernten, sondern auch das erste Mal seit 5 ½ Monaten mehr als eine Stunde getrennt waren.
Wir beide haben es aber sehr genossen einmal voellig rauszukommen aus dem Leben in Karwar, einfach mal Touri in Indien sein, mehr Freiheiten zu haben, nichts abklaeren zu muessen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Wir haben die Tage ein komplett anderes Leben gefuehrt, sind aber nun auch wieder froh zusammen zurueck in Karwar zu sein.
Und zum Glueck sehen wir unsere Lieben ja in 11 Wochen schon wieder und dieser Gedanke machte den Abschied dann ein wenig ertraeglicher… Und wie sagt man auch so schoen, man soll ja aufhoeren, wenn es am schoensten ist!!!

Kommentare:

  1. Hallo Ihr zwei Lieben,

    jetzt bin ich schon wieder zwei Tage zurück in Deutschland und habe alles irgenwie noch nicht so richtig realisiert. Zuerst der Schock der Kälte, als wir in Frankfurt aus dem Flieger stiegen, keine Kühe auf der Autobahn, nicht diese atemberaubende Farbenvielfalt und viele, viele Eindrücke mehr!!!
    Es war eine unglaublich schöne Zeit mit euch und ich bin so froh, dass ich diese Reise gemacht habe. Natürlich ist es auch mir schwer gefallen, noch einmal für längere Zeit Abschied zu nehmen! Aber in 11 Wochen sehen wir uns wieder!!! Ich freue mich sehr!!!
    Wünsche euch noch ein schöne Zeit!
    Viele liebe Grüße an alle
    Beate

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  2. Jetzt seid ihr so richtig in Karwar angekommen. Nun geht euer Aufenthalt schon dem Ende zu. Eure Nachfolger sind männlich, es wird spannend, was ihr ihnen zu erzählen habt. Genießt eure letzten Wochen und gruesst mir den Sonnenuntergang von Karwar-Beach!

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  3. hallo!
    ich will auch nach indien! im nächsten jahr!
    es muss so toll da sein!
    können eigentlich auch männer an den projekten teilnehmen?
    MFG Lula

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